Historisches

Eine bedeutende Wegmarke der deutsch-polnischen Geschichte

Friedrich Pollack (Sorbisches Institut)

Es herrschten ausgesprochen kriegerische Zeiten zu Beginn des 11. Jahrhunderts, als  eine kleine Siedlung namens „Budusin“ im Lande Milska zum ersten Mal in das Licht der Geschichte trat. Der Zeitzeuge Thietmar von Merseburg berichtet in seiner bekannten Chronik ausführlich von den wechselvollen Schlachten, Belagerungen und Plünderungen, die das Land und seine Bewohner vom slawischen Stamm der Milzener jahrzehntelang in Mitleidenschaft zogen. Der Kampf um die Vorherrschaft in dieser Region, die man erst später Oberlausitz nennen wird, hatte unzählige Menschenleben gekostet, bevor die Kriegsparteien zu Beginn des Jahres 1018 die Waffen dauerhaft niederlegten. Abgesandte des römisch-deutschen Kaisers Heinrich II. und des polnischen Herzogs Bolesław I. trafen sich am 30. Januar 1018 in „Budusin“ und legten ihre Auseinandersetzungen vertraglich bei. Die kleine Siedlung an der Spree war plötzlich zu einem Schauplatz der europäischen Mächtepolitik geworden. Der Friede von Bautzen war ein bedeutsamer Meilenstein in der deutsch-polnischen Beziehungsgeschichte mit weitreichenden Auswirkungen.

Thietmar von Merseburg

Der Merseburger Bischof Thietmar ist heute vor allem für seine Chronik bekannt, in der er kenntnis- und detailreich über die Geschichte des römisch-deutschen Reiches zur Zeit der Ottonen berichtet. Ihm verdanken wir nicht nur die Ersterwähnung Bautzens als „civitas Budusin“ im Jahr 1002, sondern auch die einzige gesicherte Auskunft über den Frieden von Bautzen im Jahr 1018, den er als Zeitzeuge miterlebte.

Geboren wurde Thietmar am 25. Juli 975. Da er dem angesehenen Adelsgeschlecht von Walbeck entstammte, lag sein Geburtsort vermutlich in der gleichnamigen Gemeinde in der Nähe von Helmstedt. Seine Eltern sahen für Thietmar eine geistliche Laufbahn vor. Der Grafensohn erhielt eine Ausbildung am Quedlinburger Stift, am Kloster Berge sowie am Magdeburger Stift. Vermutlich um 1000 wurde er Mitglied des Magdeburger Domkapitels. 1004 empfing er in Gegenwart König Heinrichs II. die Priesterweihe. 1009 wurde er schließlich zum Bischof von Merseburg ernannt. Hier bemühte er sich besonders um die vollständige Wiederherstellung des zwischenzeitlich eingegangenen Bistums. Auch aus diesem Grund begann er um 1012 mit der Abfassung seiner Reichs- und Bistumschronik. Sie sollte das Andenken der Ottonen als Mehrern des Reichs und Beschützern der Kirche bewahren. Sich selbst beschrieb er hingegen als „klein, unansehnlich und im Gesicht entstellt“. Thietmar starb am 1. Dezember 1018 und wurde im Merseburger Dom beigesetzt.

Die Chronik des Bischofs Thietmar besteht aus insgesamt acht Büchern, die den Zeitraum von 908 bis 1018 behandeln. Der Verfasser stützte sich auf reichhaltiges Quellenmaterial, zu dem er als Bischof problemlos Zugang hatte. An der Glaubwürdigkeit der Chronik besteht daher, bei aller gebotenen Zurückhaltung, kein Zweifel. Insbesondere über die Vorkommnisse seiner eigenen Lebenszeit weiß der Chronist oft ausführlich zu berichten.

Die Originalhandschrift der Chronik des Thietmar von Merseburg gelangte im 16. Jahrhundert nach Dresden. Hier wurde sie im 2. Weltkrieg so stark beschädigt, dass sie heute kaum noch benutzbar ist. Glücklicherweise hatte man bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine hochwertige Kopie anfertigen lassen.

Es ist kein Zufall, dass dieser Vertrag in Bautzen geschlossen wurde. Der Ort galt mit seiner Schutz bietenden Burg auf dem gut 30 m hohen, steil abfallenden Felssporn über der Spree wohl bereits seit dem 10. Jahrhundert als ein wichtiges Zentrum des Landes Milska. Dieses erstreckte sich über einen etwa 20 km breiten Landgürtel ungefähr zwischen den heutigen Städten Kamenz und Löbau. Mit seinen günstigen klimatischen Bedingungen und fruchtbaren Lößböden bot Milska den Menschen des frühen Mittelalters ideale Voraussetzungen für eine dauerhafte Niederlassung. Der westslawische Stamm der Milzener hatte sich hier möglicherweise bereits im ausgehenden 7., spätestens jedoch im Laufe des 8. Jahrhunderts angesiedelt und erste weilerartige Dörfer angelegt, die im Laufe der Zeit durch zentral gelegene Burgwallanlagen ergänzt wurden. Im sogenannten „Bayerischen Geographen“, einer Art Völkertafel, die  vermutlich auf das späte 9. bis frühe 10. Jahrhundert zu datieren ist, wird den Milzenern ein Territorium von insgesamt 30 sogenannten „civitates“, also Burgbezirken oder Siedlungsballungen, zugeschrieben. Gegenwärtig sind in der gesamten Oberlausitz etwa 60 Befestigungsanlagen aus slawischer Zeit bekannt. Schätzungen gehen aus diesem Grund von einer Bevölkerungsgröße von ungefähr 6500 Einwohnern aus.

Doch nicht allein aufgrund der naturräumlichen Gegebenheiten stellte das Land Milska um die Jahrtausendwende ein attraktives Territorium dar. Auch seine verkehrsmäßige und geostrategische Lage ließ Begehrlichkeiten entstehen. Das Land wurde in west-östlicher Richtung von einer der bedeutendsten Verkehrswege des mittelalterlichen Europa durchzogen: der Via Regia, die sich, von der Iberischen Halbinsel über Frankreich, das Rheinland und Mitteldeutschland kommend bis nach Krakau und Kiew erstreckte, von wo sie weiter nach Zentralasien führte. Diese Straße bildete so etwas wie eine Hauptschlagader des transkontinentalen Fernhandels. Von ihrer wirtschaftlichen Bedeutung zeugen unter anderem mehrere Silberschatzfunde aus der Zeit des 10. und 11. Jahrhunderts auf dem Gebiet der heutigen Oberlausitz, wie beispielsweise die Hortfunde von Bischdorf bei Löbau, Meschwitz bei Bautzen, Rodewitz bei Weißenberg und Zoblitz bei Reichenbach. Besonderes Aufsehen erregte der jüngste Fund dieser Art, auf den Archäologen erst Anfang 2005 in Cortnitz bei Weißenberg stießen. Er umfasst mehr als 1500 Einzelstücke reinsten Silbers mit einem Gesamtgewicht von etwa 900 g. Darunter befinden sich Silberbarren, Bruchstücke wertvollen Schmucks sowie über 1300 Münzen und Münzfragmente. Letztere lassen sich auf Prägestätten in der halben Welt zurückführen: von York und Maastricht in Westeuropa bis Taschkent und Samarkand in Zentralasien. Eindrücklich zeigen diese Schatzfunde, dass über die Via Regia ein internationaler Waren- und Geldverkehr floss, der auch die islamische Welt einbezog. Die Herrschaft über das Milzenerland versprach somit reiche Einkünfte. In einer Urkunde von 971 werden Honig, Pelze, Silber, Hörige, Kleidung, Schweine und Getreide als Abgaben aus dem Bautzener Land aufgezählt.

Ab dem frühen 10. Jahrhundert geriet Milska zunehmend unter den Druck der aufstrebenden Nachbarreiche, die in dem kleinen, politisch schwachen Land eine günstige Gelegenheit zur Erschließung neuer Ressourcen sowie zur Ausbreitung des Christentums sahen. Im Jahr 932 besiegte der römisch-deutsche König Heinrich I. (um 876–936) von der Burg Meißen aus die Milzener und Lusitzer (im Gebiet der heutigen Niederlausitz) und machte sie erstmals tributpflichtig. Die Errichtung einer Tributherrschaft stellte jedoch noch keine territoriale Eroberung dar. Die besiegten Stämme hatten fortan lediglich bestimmte Tribute an den Kaiser abzuführen, während ihre politische und gesellschaftliche Verfassung unberührt blieb. Nähere Angaben aus dieser Zeit sind leider kaum überliefert. Zwischen 937 und 965 war Markgraf Gero († 965) mit der Durchsetzung der ottonischen Tributherrschaft über die Slawen ostlich von Elbe und Saale beauftragt. Überliefert ist unter anderem ein Feldzug Geros gegen die slawischen Lusitzi (im Gebiet der heutigen Niederlausitz) im Jahr 963. Aktivitäten Geros im Milzenerland lassen sich hingegen nicht belegen. Bis zur dauerhaften Unterwerfung und Eingliederung der sorbischen Stämme, so beschreibt es auch Thietmar, vergingen noch einige Jahrzehnte.

Heinrichs Nachfolger auf dem Königs- beziehungsweise Kaiserthron, die „drei Ottos“, waren an zahlreichen anderen Fronten beschäftigt und widmeten dem Milzenerland daher vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit. Ein starkes Zeichen für den Herrschaftsanspruch des Kaisers über die eroberten Sorbengebiete darf gewiss in der Gründung des Bistums Meißen im Jahr 968 durch Otto I. (912–973) gesehen werden. Sie stellte einen ersten Höhepunkt der mit der militärischen Unterwerfung Hand in Hand gehenden Slawenmission dar. Auch das Milzenerland sollte von Meißen aus systematisch christianisiert und damit zugleich in die Strukturen des römisch-deutschen Reiches einbezogen werden. Aufgrund der unruhigen, wechselhaften Zeiten dürften die hiesigen Bischöfe in ihrer Missionstätigkeit allerdings noch bis Mitte des 11. Jahrhunderts stark eingeschränkt gewesen sein.

Die eher labile Machtposition der römisch-deutschen Kaiser in den unterworfenen Slawengebieten weckte bald schon Begehrlichkeiten bei den polnischen und böhmischen Nachbarn. Das Milzenerland wurde in den Strudel der Machtkämpfe seiner Nachbarn gerissen, die in die eingangs erwähnten jahrzehntelangen kriegerischen Konflikte im Dreiländereck zwischen römisch-deutschem Reich, Polen und Böhmen mündeten. Mehrfach fielen böhmische Heere in das vom Reich beanspruchte Sorbengebiet ein. Der Kaiser dürfte froh gewesen sein, dass sich die Lausitzer Stämme offenbar nicht am großen Slawenaufstand von 983 beteiligt haben, in dessen Folge die slawischen Lutizen nordöstlich der mittleren und unteren Elbe ihre Unabhängigkeit zurückgewannen.

Laut Thietmar wurden die „frei geborenen Milzener“ durch den Meißner Markgraf Ekkehard I., einem Vasallen des Kaisers, nach 985 endgültig unterworfen. Im Milzenerland wurde daraufhin mit der Errichtung eines Netzes sogenannter Burgwarde begonnen, bei denen es sich um Militär- und Verwaltungsbezirke zur planmäßigen Erschließung des Landes handelte. Erstmals in den Quellen greifbar wird diese Neuordnung im Jahr 1007, als der deutsche König dem Meißner Hochstift die drei Burgwarde „Ostrusna“, „Trebista“ und „Godobi“ (vermutlich Ostritz, Dolgowitz und Göda) im Milzenerland schenkte.

Mit dem Tod Kaiser Ottos III. im Jahr 1002 und der kurz darauf erfolgten Ermordung seines potenziellen Nachfolgers Ekkehard I. von Meißen brachen Anfang des 11. Jahrhunderts urplötzlich zwei wichtige Machtstützen der deutschen Herrschaft im Milzenerland weg. Nun sah der polnische Herzog Bolesław I. seine Chance gekommen und bemächtigte sich im Handstreich der Burg Bautzen. Ottos Nachfolger Heinrich II. blieb seinerzeit nichts anderes übrig als die Herrschaft Bolesławs über Milska und die (Nieder-)Lausitz anzuerkennen. Doch die Kriegshandlungen dauerten an. Bereits im Jahr 1003 fiel Heinrich II. mit einem Heer in das Milzenerland ein. Ein Jahr später gelang ihm schließlich die Rückeroberung der Burg Bautzen, die er unter die Herrschaft von Hermann I., einem Bruder des ermordeten Markgrafen Ekkehard, stellte. Hermann wiederum wurde 1008 von Bolesław aus Bautzen vertrieben, doch kehrte er mit königlicher Unterstützung bereits im Folgejahr dahin zurück.

Heinrich II.

Heinrich II. war der letzte deutsche König und Kaiser aus dem Geschlecht der Ottonen. Geboren wurde er im Jahr 973 (oder 978) als Sohn des bayerischen Herzogs Heinrich II., genannt „der Zänker“. Er besuchte als Kind unter anderem die bedeutenden Domschulen von Hildesheim und Regensburg, wo er offenbar auf eine geistliche Laufbahn vorbereitet werden sollte. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 995 fiel ihm allerdings das Herzogtum Bayern zu. 1002 setzte er sich im Kampf um die Reichskrone gegen mehrere Mitanwärter durch und wurde Mitte des Jahres in Mainz als Heinrich II. zum König gewählt. Die Krönung zum Kaiser erfolgte aufgrund politischer Konflikte mit dem Kirchenstaat erst im Jahr 1014 in Rom.

Heinrichs Regierungszeit, so erfahren wir durch Thietmar, war ganz von den anhaltenden Auseinandersetzungen mit dem polnischen Herrscher Bolesław I. geprägt. Im Unterschied zu seinen Vorgängern spielte die Italienpolitik bei ihm nur eine untergeordnete Rolle. Bereits zum Zeitpunkt seiner Wahl zum römisch-deutschen König sah sich Heinrich einer starken Opposition unter den Adeligen des Reiches ausgesetzt, die sich zum Teil auf die Seite Bolesławs schlugen. Heinrich wiederum hatte seit seiner Zeit als bayerischer Landesherr intensive Beziehungen zu den böhmischen Herzögen unterhalten, die traditionell zu den Gegnern Polens gehörten. Daraus ergab sich ein grundsätzliches Misstrauen zwischen beiden Herrschern, dass durch Macht- und Rangfragen noch zusätzlich genährt wurde.

Dass das Verhältnis der beiden Herrscher unter keinem guten Stern stand, wurde bereits im Jahr der Thronbesteigung Heinrichs deutlich. Auf dem Rückweg seines Huldigungsbesuches beim frischgekrönten König in Merseburg wurde Bolesław überfallen und entkam nur knapp einer Entführung – oder Schlimmerem. Es ist auffällig, wie deutlich Thietmar in seiner Chronik betont, dass dieser Angriff ohne Wissen und Befehl seines Königs geschah. Bolesław hingegen, der sich von Heinrich grundsätzlich missachtet fühlte, scheint dieses Erlebnis anders interpretiert zu haben und eröffnete die Fehde mit dem König, indem er die deutsche Burg Strehla bei Riesa dem Erdboden gleich machte.

Fünfzehn Jahre zog sich der Konflikt der beiden Herrscher um die Vormacht in den Sorbenlanden hin, ehe Anfang 1018 nach etlichen verlustreichen Schlachten der Frieden von Bautzen zustande kam. Heinrich hatte nunmehr den Rücken frei, um sich der Bedrohung durch den byzantinischen Kaiser in Italien zu widmen. Er starb im Sommer 1024 und wurde im Dom zu Bamberg beigesetzt.

1013 unternahmen Heinrich und Bolesław auf dem Merseburger Hoftag einen ersten Versuch, ihren Konflikt endgültig beizulegen und fanden zu einem Kompromiss. Bolesław leistete Heinrich den Treueid, der den Polenherzog im Gegenzug mit den Ländern Milska und Lausitz zu belehnte. Doch der Frieden war nicht von Dauer. Nachdem Bolesław die bereits zugesagten Truppenkontingente für einen Italienzug Heinrichs doch nicht bereitstellte, unternahm der König seit 1015 erneut mehrere Kriegszüge in die Gebiete östliche der Elbe. Über tausend Männer, Frauen und Kinder sollen laut Thietmar allein in der Schlacht um die große Milzenerburg „Businc“ auf der Landeskrone bei Görlitz in deutsche Gefangenschaft geraten sein. Doch das Ziel, Bolesław damit nachhaltig zu schwächen und wieder hinter die Oder zurückzudrängen wurde nicht erreicht. Anfang 1018 schlossen beide Seiten den Frieden von Bautzen, der die bereits in Merseburg getroffenen Vereinbarungen endgültig festschrieb und dem Land Milska nach Jahrzehnten der Unsicherheit und Kämpfe endlich Frieden brachte.

Bolesław I.

Bolesław, genannt Chrobry (der Tapfere) wurde 965 oder 967 als Sohn des polnischen Herzogs Mieszko I. aus dem Geschlecht der Piasten geboren. Als Herrscher des noch jungen polnischen Reiches verfolgten Vater und Sohn eine Politik, die vor allem auf die Stabilisierung und den Ausbau ihrer Macht nach innen und außen zielte.

Nach dem Tod seines Vaters ergriff Bolesław, wohl gegen dessen letzten Willen, 992 die Alleinherrschaft im Land und vertrieb die mit ihm konkurrierenden Verwandten. Wichtige Verbündete für seine politischen Ziele fand er in Kaiser Otto III., mit dem er zusammen gegen die aufständischen Lutizen und Abodriten zog, sowie in Markgraf Ekkehard I. von Meißen, dessen Halbbruder er war. Mit Unterstützung Ottos gründete Bolesław im Jahr 1000 das Erzbistum Gnesen mit den Suffraganbistümern Kolberg, Krakau und Breslau. Der sogenannte „Akt von Gnesen“ stellte eine deutliche Rangerhöhung Polens und der Piastendynastie dar. Bolesław stieg vom „tributarius“ (Tributpflichtigen) zum „dominus“ (Herren), das heißt zum gleichberechtigen Herrscher unter den Fürsten des Reiches auf. Dies kam einer diplomatischen Anerkennung Polens als souveränem Territorium durch den Kaiser gleich. In den Schriftquellen bürgerte sich die Bezeichnung „Polonia“ für das neue Reich im Osten ein.

Nach dem Tod Ottos und Ekkehards im Jahr 1002 beanspruchte Bolesław die Herrschaft über das Milzenerland und die Mark Meißen. Da hierüber mit Ottos Nachfolger Heinrich II. jedoch keine Einigung zustande kam, setzte eine lange Folge kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen beiden Parteien ein, die erst mit dem Frieden von Bautzen 1018 beendet wurde. Bolesław empfing Milska und die (Nieder-)Lausitz von Heinrich zu Lehen und herrschte fortan über ein Reich, das sich vom Bautzener Land bis an die Grenzen der Kiewer Rus erstreckte. Am 17. Juni 1025 starb Bolesław I. und wurde im Posener Dom beigesetzt

Somit verblieb die Herrschaft über das Milzenerland und die (Nieder-)Lausitz bei Bolesław von Polen, der damit auf den Höhepunkt seiner Macht zusteuerte. 1025, kurz vor seinem Tod, erwirkte er beim Papst das Einverständnis zur Königskrönung, die in Gnesen vollzogen wurde.

Für knapp 30 Jahre, zwischen 1002 und 1031, befanden sich Ober- und Niederlausitz in polnischem Besitz. Nachdem jedoch unter Bolesławs Sohn Mieszko II. (990–1034) ein rasanter Niedergang des polnischen Königtums einsetzte, endete diese Ära. Im Sommer 1031 fiel das Milzenerland mitsamt der (Nieder-)Lausitz wieder unter kaiserliche Kontrolle. In einem neuerlichen Frieden von Bautzen besiegelten die Kontrahenten die neuen Machtverhältnisse. Konrad II. ernannte Markgraf Ekkehard II. von Meißen zum neuen Herrscher an der Spree. Damit war der Konflikt zwischen Polen und Deutschland um die Vorherrschaft in den Sorbengebieten endgültig zugunsten des römisch-deutschen Reiches entschieden und Polen zog sich hinter den Queiß zurück. Doch in der polnischen Erinnerungskultur stand „Budziszyn“, die große Burg des Milzenerlandes, noch lange Zeit als Chiffre für die einstige Macht des polnischen Staates und seine Bedeutung als ebenbürtiger Nachbar des deutschen Reiches. Insbesondere im Verlauf des 19. Jahrhunderts, nachdem Polen von der politischen Landkarte Europas ausradiert worden war, erlebte die romantische Rückbesinnung auf das ruhmreiche Mittelalter eine wahre Blüte. Der polnische Historiker Wilhelm Bogusławski (1825–1901) erklärte die Ära Bolesławs gar zum Höhepunkt der polnisch-sorbischen Verbundenheit, als beide slawischen Völker vereint gegen die deutschen Angreifer stritten. Und noch im März 1945, kurz vor dem Ende des 2. Weltkrieges, war in der Krakauer Tageszeitung „Dziennik Polski“ ein Appell an die Truppen Polens zur Befreiung der Lausitz von der nationalsozialistischen Herrschaft zu lesen: „Wir müssen nach Bautzen zurückkehren und Chrobry dort ein Denkmal errichten.“  Der Friede von Bautzen des Jahres 1018 steht heute symbolisch für die wechselvolle Beziehungsgeschichte Deutschlands und Polens. Er illustriert zugleich die besondere Brückenfunktion, die der zweisprachigen Oberlausitz im deutsch-polnischen Verhältnis seit über eintausend Jahren zukommt.